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Blade Runner 2049

By MBS

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Träumen Androiden von elektrischen Schafen?

1Wie schon im Film Ex Machina wird auch im neuen #BladeRunner2049 die Frage aufgeworfen, ob der Replikant am Ende eigentlich der bessere Mensch ist. Der erste Blade Runner erlangte erst durch die Verbreitung von Videotheken in den Achtzigern seinen Kultstatus, denn der Kinostart 1982 lief nicht so erfolgreich. Ridley Scott’s erster Science Fiction noir Film Alien mit der damals völlig neuen Ästhetik eines HR Gigers war gerade verdaut, dann irritierte der Blade Runner mit seinen meist erst auf den zweiten Blick erkennbar facettenreichen Bedeutungsebenen. 2019 (damals noch nächstes Jahrtausend) vegetieren die meisten Menschen in übervölkerten Mega-Cities, denn die Natur ist schon lange zerstört.

Genetisch erzeugte menschliche Kopien, die Replikanten, erledigen die Drecksarbeit für ihren omnipräsenten Herstellerkonzern. Einige von ihnen rebellieren, der Blade Runner Deckard (Harrison Ford) soll sie beseitigen. Äußerlich perfekt soll nur die Unfähigkeit zur Empathie in einem Turing-Test ähnlichen Verfahren die Replikanten als solche identifizieren; nur agieren die Menschen inzwischen so unmenschlich, dass die Grenzen verschwimmen. Denn die Replikanten entwickeln immer menschlichere Züge, auch ihr Befreiungskampf ist nachvollziehbar und am Ende opfern sie sich sogar für die Menschen wie Rutger Hauer in der letzten Szene der ersten Version.

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Er und Daryl Hannah schockierten danach nie wieder so genial wie als exzentrisches Replikantenpärchen. Dazu die düster melancholische Musik von Elektro-Musik Pionier Vangelis, die den Zuschauer tief in die dystopischen Fantasiewelten von Philip K. Dick hineinzogen, dessen Visionen später auch bei Matrix und Minority Report als Vorlagen dienten. Der Filmkomponist Hans Zimmer entwickelte für den Sequel das musikalische Thema Vangelis’ weiter und ergänzt damit die beeindruckende postmoderne Architektur auch in 2049 perfekt; Assoziationen zu Langs Metropolis und Edward Hopper sind erwünscht. Die schon damals so klug inszenierten Fragen danach, was Menschlichkeit und Identität eigentlich ausmachen, bescherten dem ersten Blade Runner seinen Kultstatus.

Für den Sequel 2049 fungiert Ridley Scott nun als Produzent; er gab in papstähnlich weiser Entscheidung die Regie an den kanadischen Regisseur Denis Villeneuve ab, dessen politische Interpretation (Der Insider wird zum Rebell gegen das System) auch aktuelle Bezüge (Edward Snowden) aufzeigt. Und wie auch schon im Alien imponieren auch hier die starken Frauenfiguren. Die perfekte Geschwindigkeit der Kameraführung nimmt den Zuschauer mit auf die Suche auch nach der eigenen Identität des neuen Blade Runners2.

Schon 1982 gab es spannende literarische Anspielungen: Harrison Ford als einsamer Detektiv Deckard und die femme fatale Rachael; auch im Sequel 2049 finden sich wieder interessante Bezüge: So heißt die Figur des von Ryan Gosling gespielten Blade Runners schlicht nur noch K in Anlehnung an Kafkas Process; seine Lektüre ist der metafiktionale Roman Fahles Feuer von Vladimir Nabokov.

Einige alte Replikanten noch mit rebellischer Neigung haben einen gigantischen Blackout im Untergrund überlebt und sollen von K in den Ruhestand versetzt, sprich eliminiert werden. Dabei stößt K auf die Überreste einer weiblichen Replikantin, die auf natürlichem Weg ein Kind geboren hat. Dem CEO des neuen Replikantenkonzerns ist die Brisanz dieser Entdeckung dank Datenüberwachung schnell klar und er setzt seine beste Replikantin darauf an. K findet heraus, dass Deckard und Rachael die Eltern dieses einzigen natürlich gezeugten und geborenen Replikanten sind und so trifft er bei seiner Suche nach dem Aufenthaltsort des Kindes auf den ehemaligen Blade Runner Deckard (Harrison Ford).

Der lebt inzwischen nur mit einem Hund, der in dieser Dystopie wie ein Alien wirkt, in einem alten Spielcasino, in dem Elvis und Frank Sinatra nach wie vor nun als Hologramme absurde Vorstellungen geben. Als Unterstützung dienen K nur seine Chefin Madam, hervorragend gespielt von House of Cards-Star Robin Wright und ein weibliches Hologramm, eine Art Alexa 5.0: Kollegin, elektronisches Device und Geliebte zugleich vermittelt sie eine technisch und ästhetisch perfekte, aber menschlich armselige Zukunftsvision von Liebe und Freundschaft. Beide opfern sich letztlich für K.

Natürlich findet K die Identität und den Aufenthaltsort des nun erwachsenen Kindes heraus; allein dadurch eröffnen sich aber wieder weitere Fragen, die den nächsten Sequel zu meiner Vorfreude schon andeuten. Einzig die vielen Brandplatzierungen hätten reduziert werden können, ansonsten entfaltet der Blade Runner 2049 das gleiche Potential für einen Kultfilm wie auch schon sein Vorgänger; jede Minute der fast 3 Stunden war beste Unterhaltung für die Sinne. Ab 5.10.17 im Kino.

  1. Beitragsbild: ©Sony Pictures
  2. Videonachweis: https://www.youtube.com/watch?v=zTPZpgAF-Rw, Zugriff 8.10.2017

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