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Berlinale 2019

By MBS

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Welche Filme man noch sehen sollte…

1Die 69. und letzte Berlinale unter Dieter Kosslick wird mit 40% Regisseurinnen sowohl als Berlinale der Frauen als auch als die mit wenig Hollywood-Glamour, aber sozial und politisch prägnanten Filmen in Erinnerung bleiben. Außer Konkurrenz hatten im Wettbewerb auch internationale Produktionen wie Vice – der zweite Mann, The Operative und François Ozons Gelobt sei Gott Europa- oder Welt-Premiere, aber auch die erste von etwas realitätsfremden Protesten begleitete Netflix-Produktion: Das lesbische Liebesdrama Elisa y Marcela. Rund 400 Filme musste die Internationale Jury unter Leitung der französischen Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin Juliette Binoche sichten, unter den Preisträgern waren dann auch drei deutsche Produktionen.  

Der Auftakt dieses Jahr war mit dem Film The Kindness of Strangers nicht so fulminant wie im letzten Jahr mit Wes Andersons Film Isle of Dogs; trotz des sonst immer großartigen Bill Nighy war die Kritik eher enttäuscht über die Auswahl auch noch als Eröffnungsfilm. Schon mit einem silbernen Bären ausgezeichnet schien der Film der dänischen Regisseurin Lone Scherfig wohl ohne genaueres Ansehen geeignet, konnte aber den Erwartungen nicht entsprechen: Stellenweise überzogen, zu sehr auf ein positives Ende ausgelegt. Selbst Anleihen an Endstation Sehnsucht vermochten dem Road Movie-artigen Episodenfilm nicht jene Tiefe zu geben, die nachhaltig Eindruck hinterlassen hätte.2

3Vice hingegen, verdient für 8 Oscars nominiert, war sicherlich der Film, der sowohl in diesem Jahr den größten Hollywood-Glamour auf den roten Teppich brachte als auch inhaltlich überzeugte: Die Hauptrolle in dem von Brad Pitt produzierten Polit-Biopic übernahm Christian Bale und zeigte einmal mehr sein unnachahmliches Verwandlungstalent. Man erkennt ihn kaum wieder, so sehr verändern ihn zusätzliche 20 kg und weitere Polsterungen. Gattin Lynne Cheney (Amy Adams) macht dem Studienabbrecher mit Alkoholproblem anfangs die entscheidende Ansage, sein Leben in den Griff zu bekommen und daraufhin der wohl einflussreichste Vize-Präsident der USA zu werden. Sein Einfluß wurde lange unterschätzt, so traf Cheney die ersten Entscheidungen am 11. September, als Bush in Sicherheit gebracht wurde.

Besonders an dieser Mischung aus Polit-Drama und Satire sind auch die Einblendungen: Statt Sex gibt es im Ehebett plötzlich Shakespeare-Dialoge, zum Dinner werden Menschenrechtsverletzungen à la carte kredenzt und eine vermeintliche Abspann-Sequenz mit verklärten Bildern seiner Golden Retriever-Zucht verweist leider nur hypothetisch darauf, was der Welt erspart geblieben wäre, wenn George W. Bush nicht den folgenschweren Entschluss gefasst hätte, Cheney zu seinem Vice zu machen. Vice bedeutet nicht nur Vize, sondern auch Laster. Die realen, aber auch satirischen Verweise mischen das historische Geschehen unterlegt mit dem Sound von The Killers humorvoll auf und diese Diskrepanz zu seinem pseudo-staatsmännischen Auftreten entlarvt Cheney als skrupellosen Machtmenschen und Lügner; Parallelen zum aktuellen Mann im weißen Haus könnten nicht offensichtlicher sein. Dieser Film ist was Großes: Ab 21.2.19 im Kino.

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Auf der Berlinale sieht man auch viele internationale Gäste in eleganten Varianten in schwarz; ein Klassiker ist natürlich immer das kleine Schwarze, wahlweise mit transparenten Einblicken, mit Leder oder aus Samt. 

Jury-Präsidentin Juliette Binoche strahlte in verschiedenen geschmackvollen Outfits: Zur auch auf 3sat gezeigten Eröffnung trug sie ein raffiniertes Trägerkleid, aber auch das rosafarbene Couture-Kleid von Balmain bei der Preisverleihung war très chic.

Mit Synonymes gewann der einzige Wettbewerbsbeitrag mit einem Migrationsthema: Ein Israeli in Paris möchte sich so sehr integrieren, dass er sogar seine jüdische Herkunft verleugnet; sein tragisch-komischer Versuch ist natürlich zum Scheitern verurteilt. So unterhält der Film mit gelungenen Verweisen auf französische Filmklassiker, aber auch mit einem liebevollen Blick auf vergangene Utopien und aktuelle Realitäten der französischen Gesellschaft.

4Der einzige weibliche Hollywood-Star im Wettbewerb Diane Kruger überzeugt im Film The Operative mit Können und Präsenz in der schwierigen Rolle einer Mossad-Agentin, mit Dr. Watson-Darsteller Martin Freeman als Verbindungsoffizier an ihrer Seite. Es gelingt beiden auch ohne Action-Getöse und jenseits von klischeehafter Agentenfilm-Darstellung die innere Zerrissenheit einer solchen Aufgabe mit aller Ambivalenz glaubhaft darzustellen. Als Vorlage diente der israelische Bestseller The English Teacher von Yiftach Reicher Atir.

Rachel arbeitet in Teheran zur Tarnung als Englischlehrerin, spioniert in Wahrheit aber den Chef eines Elektronikunternehmens aus, der die iranische Regierung beim Ausbau des Atomprogramms unterstützt. Rachel verliebt sich in ihn, wird schwanger, muss abtreiben, Verdeckungsmorde mitansehen und selber begehen, um ihr wahres Ziel zu verschleiern. Nur für wenige Momente ist sie glücklich; ohne Wurzeln, ein Zuhause oder echte Bezugspersonen bleibt ihre Zukunft ebenso offen wie das Ende: Kann sie einem tödlichen Agentenschicksal in letzter Minute entrinnen?5

Lediglich Diane Krugers Premieren-Outfit von Givenchy Couture hätte eleganter sein können: Teils wurde es gelobt, teils als befremdlich eingestuft; im Gegensatz zu ihrer schauspielerischen Leistung konnte es als etwas schräge Mischung aus Rokoko-Kostüm und Femme fatale nicht wirklich überzeugen.

Viele Gäste hingegen ergänzen ihre eleganten Outfits z. B. mit Fake-Fur Jacken in anthrazit oder verschiedenen Farben und schützen sich so stilvoll vor Kälte. Auch in Kombination mit einem Blumenkleid setzt frau so interessante Akzente. Des Weiteren sah man Jumpsuits in Pastelltönen oder aus Lamé als zeitgemäße Alternative zur klassischen Abendrobe.

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6Polit-Prominenz bei der Premiere von Heinrich Breloers Brecht in der Berlinale-Sektion Special: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit Ehefrau Elke Büdenbender, Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller. Die Rolle des jungen Brecht spielt Tom Schilling; Burghart Klaußner hat die Rolle Brechts in den Nachkriegsjahren übernommen.

In weiteren Hauptrollen spielen Adele Neuhauser und Lou Strenger als Helene Weigel in jungen und späteren Jahren, Trine Dyrholm als Brechts dänische Geliebte und Mitarbeiterin Ruth Berlau, Mala Emde als Paula Banholzer, Brechts erste Liebe. In zwei Teilen erzählt der Altmeister des doku-fiktionalen Films das von Kunst, Frauen und Zeitgeschichte bewegte Leben des meistgespielten deutschen Dramatikers des 20. Jahrhunderts.

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7Von den deutschen Beiträgen bleiben wohl die Romanverfilmung Der goldene Handschuh von Regisseur Fatih Akin über den Hamburger Serienmörder Fritz Honka in Erinnerung, eine Horrorfilm-artige Milieustudie über Gewaltverbrechen, Alkoholexzesse, sexuelle Abhängigkeiten und soziale Verwahrlosung sowie der verdient mit dem silbernen Bären ausgezeichnete Film Systemsprenger von Regisseurin Nora Fingscheidt über ein extrem wütendes Problemkind.

Kinder und Jugendliche, die erfolglos mehrere Jugendhilfe-Maßnahmen durchlaufen haben, nennt man Systemsprenger. Gründe dafür sind schwierige familiäre Verhältnisse, häufig auch eine psychiatrische Erkrankung. Auf Basis gründlicher Recherche vermittelt das Spielfilmdebüt Hintergründe von extremen Verhaltensstörungen und erzeugt Verständnis für Wut, Aggressionen und Ablehnung der Kinder und Jugendlichen aufgrund der sensiblen Darstellung der Ursachen und Auswirkungen von Kindheitstraumata.

Wer sich für die Outfits der Berlinale interessiert: VOGUE zeigt die schönsten Looks.

Und die Highlights des roten Teppichs:8

  1. Beitragsbild: ©Universum Film
  2. Beitragsbild: ©AlaMode Film
  3. Videonachweis: https://www.youtube.com/watch?v=bK0C9bcCx3c, Zugriff 25.02.19.
  4. Beitragsbild: ©Svea Pietschmann @ZDF/3Sat
  5. Videonachweis: https://www.youtube.com/watch?v=GriLHcfsF5U, Zugriff 25.02.19.
  6. Beitragsbild: ©Ali Ghandtschi @Berlinale 2019
  7. Videonachweis: https://www.youtube.com/watch?v=WcpMi2AJdcQ, Zugriff 25.02.19.
  8. Videonachweis: https://www.youtube.com/watch?v=zyV-YjCl61k, Zugriff 25.02.19.

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