Best of MBFW_AW21 feat. BERLINER SALON

By MBS

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MBFW AW21
BERLINER SALON

@Kraftwerk Berlin

Seit Jo Biden und Kamala Harris im Weißen Haus sitzen, hat man endlich wieder das Gefühl, so etwas wie Normalität könnte irgendwann in unseren Alltag zurückkehren. Die Styles der Inauguration machen Hoffnung, dass Mode dann auch wieder zur schönsten Nebensache der Welt wird. Noch ist die überwiegend digital präsentierte Mercedes-Benz Fashion Week Berlin nur willkommene Ablenkung im tristen Corona-Alltag: Die MBFW Herbst/Winter 2021 fand für die Zuschauer online statt. Dafür aber mit guten Nachrichten: DER BERLINER SALON war wieder dabei, deutsches (Mode-) Design hat damit wieder eine Ausstellungsplattform. Neben schrillen Outfits wurden nachhaltige Styles in Naturtönen und diverse All-White Looks gezeigt, alltagstauglich als lässige Kombinationen oder als extravagante Brautmode von Kaviar Gauche (oben).

In Online-Meetings ist ja lediglich das Oberteil wichtig, aber im neuen Normal wird Mode auch jenseits von Fast Fashion wieder zur Alltagskultur gehören. Der Boom von Second-Hand Kollektionen und Re-Commerce Plattformen zeigt, dass Verbraucher*innen immer mehr Wert auf nachhaltiges und langlebiges Design legen. Second Hand Mode darf eine Geschichte mitbringen, aber nur hochwertige und durchdachte Produktion gewährleistet eine Weiterverwendung oder ein Recyceln ohne Qualitätsverlust. Daher ist es empfehlenswert, statt mehrerer Billig-Outfits lieber ein Design der MBFW oder des BERLINER SALONs zu erwerben. Individuell kombiniert mit einem Re-Style und gut gepflegt erfreut es dereinst jemand mit kleinem Geldbeutel, so geht Mode mit weniger Kollateralschäden.

Oben: ELIAS RUMELISverkehrt Lagerfelds Bonmot, das Tragen von Jogginghosen bedeute Kontrollverlust über das Leben, in Pandemie-Zeiten ins Gegenteil. Nicht nur Kosmopolit*innen schätzen seine Casual-Styles, sie sind bequem und stilvoll zugleich.

Seinen inzwischen auch internationalen Erfolg verdankt Kilian Kerner (unten) seinem Talent, mit fließenden Stoffen eine schmale Silhouette zu erschaffen. Für bequeme Passform sorgen z. B. Hosen mit tiefem Schritt. Gelungenen Materialmix wertet er mit asymmetrischen Details auf:

Er engagiert sich auch für andere: Erlöse aus einem Kalender mit Künstlern werden an ein afrikanisches Hilfsprojekt für Kinder gespendet. Schön, wenn man bei der eigenen Erfolgsgeschichte nicht vergisst, dass es anderen nicht so gut geht.

Schon Anfang 2019 demonstrierten weibliche Abgeordnete des Repräsentantenhauses mit den #WhiteSuits, wie man dem Ex-Präsidenten mit Mode die Show stiehlt. Kamala Harris trug einen am Tag auch ihres Wahlsieges, auch J.Lo und Dr. Jill Biden überzeugten bei der Inauguration mit einem All-White Style. Auch Designer Danny Reinke beweist Instinkt für den Zeitgeist:

Unten links: Auch Marc Cain zeigte eine interessante Variante des weißen Mantels, kombiniert mit Satinhose.

Naturtöne dagegen sind immer im Trend: Der Poncho-artige Fransen-Mantel wird Ton in Ton mit einem Leder-Oufit ergänzt.

Andere Entwürfe der Marc Cain Kollektion konnten nicht überzeugen. Leuchtende Farben sind immer ein Hingucker, ein schriller Anblick aus glänzendem plastikartigen Stoff in schreiendem Pink ist nur anstrengend.

Leuchtendes Orange im 70er Jahre-Style hingegen wirkt fröhlich und lässig zugleich. Das sah man bei Marc Cain, aber auch bei Nachwuchs-Designer*innen wie bei People, dem social fashion and objects-Designprojekt aus Berlin.

Oben rechts: In Zusammenarbeit mit Designern und Jugendlichen in schwierigen Lebenssituationen entstehen bei People gemeinsame Editionen, die spannende Schnittstellen zwischen Mode und Kunst aufzeigen.

Designerin Mira van der Osten von CRUBA bewegt sich schon lange in diesem Bereich und beweist erneut Gespür für hochwertige Stoffe wie Seide und Kaschmir sowie für eine interessante Inszenierung:

Ihre Mode verbindet Kunst und Funktionalität bei klaren Linien.

Der geteilte Unisex Mantel war ein Show-Special, online sind getrennte Versionen erhältlich.

Oben rechts: Die MBFW zeigt, wie unterschiedlich karierte Mode wirken kann. Danny Reinke ergänzt sein Rock/Hut-Ensemble mit einem paillettenbesetzten Oberteil und macht es damit abendtauglich.

In den USA schreibt Kamala Harris Geschichte als erste Vice, hier präsentiert ein Ivanka Trump Lookalike deutsches Modedesign beim BERLINER SALON. Nun ja, war vielleicht auch eine Corona-bedingte Wahl. Dafür waren die ausgewählten Styles umso interessanter. Ein Highlight des BERLINER SALONs ist seit Jahren Isabel Vollrath_I’VR, hier mit einem überzeugenden Karo-Outfit:

In den MBFS-Shows hingegen präsentierten diverse Modells einem Look des 21. Jahrhunderts, wie hier mit Mode von Lana Mueller (oben rechts, unten). Leni Klum ist hübsch und punktet durchaus mit weiblicher Silhouette, ein Sinnbild für Diversität und Style ist sie nicht. Zeitgemäße Frauen mit Ausstrahlung wie Emilia Schüle oder Paula Beer wären den anspruchsvollen Styles wohl eher gerecht geworden.

Manche Entwürfe von Lana Mueller erschaffen eine moderne Marlene Dietrich: Eine Frau, ein gelungener Auftritt. So einen Anzug würden auch Emilia Schüle oder Kamala Harris tragen. Andere ihrer Entwürfe sind zu verspielt oder bonbonfarben; selbstbewusste Frauen wollen aber nicht wie ein Püppchen oder Bonbon aussehen. Der karierte Anzug als Ausdruck von Haltung und Persönlichkeit hingegen überzeugt:

Zur Inspiration eine Auswahl aus aktuellen Damen-Kollektionen (*Werbung):

Oben: Die Berliner Schmuckdesignerin Alina Abegg findet magische Erinnerungen und verwandelt sie in moderne Kleinode.

Unten links: Danny Reinke zeigte in seiner vom Lebensstil der Küste inspirierten Kollektion auch ein Matrosenkleid 2.0.

Oben rechts: Gegensätze wie hochwertiger Stoff mit unfertigen Details machen neugierig auf den Mensch, der die Entwürfe von People trägt. (Fashion Open Studio/Designer Showcase) 

Der belgische Designer Tom van der Borght eröffnete die MBFW mit einem bunten Spektakel. Die Kollektion wirkte, als wären Teletubbies auf Crystal Meth. Die Entwürfe sind schon kreativ, aber so überzogen, dass man statt von Mode wohl eher von Verkleidung sprechen kann.

Auch sein Nachhaltigkeitsanspruch ist nur Show, da so verbundene Öko-Materialien sich nicht mehr sauber trennen lassen. Fazit: Schriller Modemüll kann weg.

Überzeugende Fair Fashion dagegen kommt auch aus Österreich: Rebekka Ruétz kreiert mit spannendem Materialmix und ausdrucksstarken Stoffen Styles, die man auch länger als eine Saison tragen kann:

In den Bergen Tirols wird unter möglichst nachhaltigen, umweltschonenden und fairen Bedingungen produziert und seit Jahren erfolgreich auf der MBFW präsentiert.

Fotos Rebekka Ruétz ©Jenny Haimerl

Zur Inspiration eine Auswahl aus aktuellen Herren-Kollektionen (*Werbung):

Oben links: Helles Blau wirkt bei Männern bei einem ungewöhnlichen Schnitt (Kilian Kerner) oder interessant kombiniert gar nicht mehr bübchenhaft, sondern innovativ und dynamisch.

Oben rechts: Beim Fashion Open Studio/Designer Showcase interpretierte Modedesigner Shih-Shun Huang mit seinem Label #DAMUR traditionelle Kleidungskonzepte zeitgemäß und nachhaltig, getreu seinem Motto naughty but elegant.

Die 70er Jahre lassen grüßen: Otto Drögsler und Jörg Ehrlich von ODEEH zeigen beim BERLINER SALON wieder ihre unnachahmliche Old-School-Couture. Verarbeitung und Kombinationen brechen bewusst mit klassischer Eleganz und zeigen neue ungewöhnliche Styles.

Unten links: Perfektion bis ins Detail für den großen Auftritt: Selbst die Maske ist auf das Outfit abgestimmt: Isabel Vollrath I’VR

Oben rechts: ALEKSANDRAVIKTOR konzentriert sich auf ein ikonisches Produkt – den Mantel. Auf Basis weltweiter Inspiration erfindet sie ihn in jeder Kollektion neu, mit einem Fokus auf handwerklich hochwertige Stoffe und moderne Formen.

Du bist, was Du trägst. Mode macht das Innerste sichtbar, Unterbewusstes kommt zum Vorschein. Sie sollte Persönlichkeit vermitteln und nicht nur anderen gefallen wollen.

‘Mode’ von Marina Hoermanseder verdammt Frauen quasi zu Bewegungsunfähigkeit und degradiert sie zum Plastik-Objekt. Beim BERLINER SALON zeigte sie wiedermal ihren Strap-Skirt, nun als Teil eines scheußlichen Kugelkleids.

Vermeintlich in nachhaltiger Version, die Bestandteile können aber nur mit hohem Aufwand getrennt werden. Frauen, die diese Form von Aufmerksamkeit brauchen, sollten einem leid tun.

Maybe stories are just data with a soul.1

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Die Hauptstadtkunstmesse präsentierte sich konzeptionell breit aufgestellt und bestens organisiert.

Katharina Grosse: It Wasn’t Us @Hamburger Bahnhof

Statt mit Stoff verhüllt sie Körper, Umgebung und Architektur mit Farbe.

Oben: So geht Auffallen mit Stil: RIANNA + NINA kombinieren ungewöhnliche Stoffe mit überraschenden Schnitten, die mehr als eine Saison Freude machen. Vintage-Stoffe werden in elegante, hochwertige und farbenfrohe Styles verwandelt.

Links unten: Die vier Ladies von GALVAN LONDON mit ihrer deutschen Designerin Anna-Christin Haas zeigten nicht nur ihr key piece, das slip dress, in farbenfroher Version:

Oben rechts: working title aus Berlin setzt auf Nachhaltigkeit mit Stil, raffinierte Details werten pure Looks mit dem gewissen Etwas auf. Plastikfreie Styles aus luxuriösen Naturstoffen und neuen Schnitttechniken sorgen so für Wohlbefinden.

Die ungewöhnlichen Stoff- und Schnittkonstruktionen von Dawid Tomaszewski machen die Marke zu einem luxuriösen Ready-to-Wear-Label mit Couture Appeal:

Momentan besteht eine reelle Chance, dass der kollektive Kontaktverzicht hoffentlich auch ermöglicht, die MBFW mit dem BERLINER SALON im Sommer wieder real stattfinden zu lassen. Haltet weiter tapfer durch, freut Euch zwischenzeitlich über digitalen Ersatz und erwartet das Beste…

Fotos: ©MBFW. Weitere Impressionen des BERLINER SALONs im Video2:

  1. Vgl. Brown, o. J.
  2. Videonachweis: https://www.youtube.com/watch?v=XTecDR_6e3U, Zugriff 2.2.2021.

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