POSITIONS Berlin Art Fair 2022

By MBS

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POSITIONS

Berlin Art Fair

@Flughafen Tempelhof 2022

Bild oben: Kleine innere Sammlung, 2012 ©Alexandra Huber @Galerie Horst Dietrich

Auf der POSITIONS Berlin Art Fair 2022 sorgten 88 internationale Galerien wieder für so viel Inspiration, dass die eigene innere Sammlung nicht klein blieb, sondern neue Räume bräuchte. 25.000 internationale Besucher*innen konnten im Flughafen Tempelhof aus einem sorgfältig kuratierten Angebot mit vielfältiger inhaltlicher und zeitlicher Bandbreite wählen.

Ein Auswahlkriterium kann das Auslösen von Heiterkeit wie bei den gemalten Alltagsgeschichten von Alexandra Huber sein: Formal reduziert erzählt sie phantasievoll und voller Witz hier von blau und orange, die so gerne an den Kusama-artigen Polka Dots partizipieren wollen. Auch das Gesamtbild einer Galerie kann einen Kunstkauf beeinflussen: Bei Schmalfuss stimmten die Galeristinnen ihre Outfits auf die interessantesten Künstler*innen der Galerie ab – très chic.

Bild links im Hintergrund: Black Balls, 2022 ©Simone Haack @Galerie Schmalfuss

Bild rechts im Hintergrund: Jukebox, 2022 ©Jürgen Paas @Galerie Schmalfuss

Bild unten: Traffic 1801 Blue, 2018 ©Katsumi Hayakawa @Micheko Galerie

Katsumi Hayakawa konstruiert dreidimensionale Welten aus Papier. Seine Arbeiten sind abstrahierte Abbildungen von ent-individualisierten Metropolen, deren Gebäude nur noch Kulissen der Abwesenheit der menschlichen Existenz sind.

Bild unten im Hintergrund: Such a lovely place, 2022 ©Robert Matthes @Galerie Cyprian Brenner

Bild oben rechts: Bird III, 2022 ©Christian Hahn @Galerie Holthoff

Bild unten: Sternensammler, 2022 ©Hermann Reimer @Westphal Berlin

Die Stärke und Faszination der Arbeiten von Reimer liegt in der gekonnten und oft gewagten Kombination von vertrauten Einzelelementen, die zusammen aber befremdlich wirken. Sie erzeugen eine anrührende Wirklichkeit, die eigene Erinnerungen aktiviert und zugleich das teilweise Kuriose des täglichen Lebens zelebriert.1

Skulptur unten links: Line sculpture, 2020 ©Flavio Senoner @Vijion Gallery

Bild oben rechts: Childlike Magic_53, 2020 ©Andrea Imwiehe @Galerie subjectobject

Bild unten: New York, Amsterdam Avenue, 2022 ©Moritz Hasse @Galerie Horst Dietrich

Bild unten links: Ohne Titel, 1963 ©Georg Stahl @Zellermayer Galerie

Die FASHION POSITIONS wurde dieses Jahr von der Hutdesignerin Fiona Bennett kuratiert, ihre Kreationen werden auch von Kunstbegeisterten geschätzt.

Der Shoa-Überlebende Boris Lurie erinnerte beharrlich an die Kriegsopfer und die Judenvernichtung, stellte sie in einen aktuellen Alltagskontext aus Werbung, Pornografie und Politik, paarte Bilder der NS-Gräuel, der Vergasten mit pornografischen Elementen der Konsumgesellschaft, das Entsetzen mit der Lust.2 Von wegen NO!art.

Bild unten: Memo to the U.S. (Hairdos), 1963 ©Boris Lurie @Boris Lurie Art Foundation

Bild unten links: Ideālā pasaule, 2022 ©Ivars Heinrihsons @Māksla XO

Bruce Darnell ist in Sachen Style eine Klasse für sich.

Zur Inspiration eine Auswahl aus aktuellen Herren-Kollektionen (*Werbung):

Bild oben rechts: ©Miško Pavlović @Galerie subjectobject

Bild unten: See, 2022 ©Jochen Hein @Galerie Thomas Fuchs

Vertraute Motive wie Seen, Parks, Himmel und Berge wirken aus der Distanz betrachtet detailliert und realistisch, lösen sich aber beim Nähertreten in abstrakte Strukturen auf.3

Bild unten links: Der Ausgleich, 2022 ©Kathrin Henschler @Galerie Eigenheim

Bild oben rechts [Ausschnitt]: Woman with fruits, 2022 ©Lars Teichmann @Brennecke Fine Art

Selbst in nordischen Königshäusern findet man die ausgezeichneten Keramikarbeiten von Gunhild Rudjord:

Vasen: ©Gunhild Rudjord @ARTC

Bild unten links: Loo, 2022 ©Nadia Safieddine @Karl Oskar Gallery

Die Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit des Wassers ermöglicht, dass Licht und Umgebung gleichermaßen aufgenommen und gespiegelt werden.

Matthias Meyer gibt dies mit Leichtigkeit durch die Kombination von durchlässigen Farbschichten, einer linearen Komposition und dem gezielten Einsatz von Farbe als strukturierendem Element bildhaft wieder.

Bild oben: Parksee 2, 2022 ©Matthias Meyer @Galerie Andreas Binder

Bild unten links: Kudamm, 2022 ©Konrad Winter @DavisKlemmGallery

Sebastian Meschenmoser illustriert in seinem künstlerischen Schaffen neben ausgezeichneten Kinderbüchern die Ambivalenz von wilden Tieren in einer künstlichen und von Menschenhand geschaffenen Umgebung.

Bild unten: ©Sebastian Meschenmoser @Galerie Greulich

Bild unten links: Sampler, 2022 ©David Eager Maher @Galerie Jarmuschek + Partner

David Eager Mahers Werke sind formal wie inhaltlich komplexe Begegnungen. Seine mit Malerei und Zeichnung weiterentwickelten Collagen aus gefundenen Papieren öffnen dem Betrachtenden ganze Welten, die sich auf surreale Weise räumlich verschränken, zeitlich überlagern und thematisch verschmelzen.4

ALEKSANDRAVIKTOR konzentriert sich auf ein ikonisches Produkt: Den Mantel. Auf Basis weltweiter Inspiration erfindet sie ihn in jeder Kollektion neu, mit einem Fokus auf handwerklich hochwertige Stoffe und moderne Formen.

Alireza Varzandeh bevorzugtes Sujet sind Snapshots, in denen er unscheinbare Alltagssituationen wie den erfrischenden Badeurlaub am Meer auf großen Leinwänden wiedergibt. Die Flüchtigkeit des Augenblicks wird in der Bewegung eingefroren.

Bild oben: Calle colone lV, 2022 ©Alireza Varzandeh @Galerie Cyprian Brenner

Miriam Zadil erzählt Geschichten, deren inneres Beziehungsgeflecht so assoziativ gehalten ist, dass es sich für jeden Betrachter anders darstellt. Dazu greift sie auf Bildwelten verschiedenster Kulturen zurück, versetzt sie mit aktuellen Bezügen und schafft auf diese Weise ihre ganz eigene Sprache, skurril, bunt und poetisch.

Bild oben rechts: Alkestis – Das Geschenk, 2021 ©Miriam Zadil @Galerie Carolyn Heinz

In seinen Gemälden verfolgt Heinrich Mauersberger einen auf den Realismus bezogenen Ansatz, öffnet jedoch die Form, um der Farbe ihr Eigenleben und sich selbst die Empfindung zu gestatten.

Bild oben: Am Ufer, 2022 ©Heinrich Mauersberger @Galerie LEUENROTH

Bild unten links: The Mellow One, 2022 ©Daniel Man @Galerie Andreas Binder

Skulptur oben rechts: ©Matthias Garff @Galerie Tammen

Zusammengeschraubt, geklebt oder genagelt, lässt Garff seine Geschöpfe aus gefundenem Material entstehen, wobei er diesen Entstehungsprozess selbst nachvollziehbar macht und die jeweiligen Materialästhetik bewusst als Gestaltungsmittel nutzt.

Bild unten: IJs, 2021 ©Robert Zandvliet @Bernhard Knaus Fine Art

Skulptur unten links: excerpt O 04, 2022 ©Antje Blumenstein @Galerie Nanna Preußners

Die linearen Oberflächen der Folien wiederum bildeten die Grundlage für eine Gruppe von strengen linearen Kompositionen aus gefalteten Papieren und transparenten Objekten aus Acrylglas. Hier ist der Zufall ausgeklammert, jedes Objekt wird vorab als Modell gebaut und davon nur eine geringe Auswahl präzise umgesetzt.5

Skulptur oben rechts: excerpt O 03, 2022 ©Antje Blumenstein @Galerie Nanna Preußners

Die Werke von Mathias Kessler zeigen eine ästhetische Inszenierung von Natur, die die Wechselwirkung zwischen menschlichen Einflüssen und Naturphänomenen zum Ausdruck bringt:

Bild unten: Ilusissat 001X, Greenland, 2022 ©Mathias Kessler @Galerie Heike Strelow

Glasskulpturen unten links: Astronauten 1-3, 2016-19 ©Carl Bens @Galerie Intershop

Bild im Hintergrund oben rechts: SHELL, 2022 ©Constantin Schroeder @Galerie VON&VON

Bild unten: ©Britta Lumer @Galerie Georg Nothelfer

Britta Lumer treibt in ihren durchaus ins Figurative spielenden Arbeiten auf Papier – nicht selten monumentale Ansichten von Körpern, Portraits, Architekturen und Stadtlandschaften – ihre Sujets jeweils an den Rand der Auflösung.

Die Berliner Modedesignerin Esther Perbandt perfektioniert das Große Schwarze im Stil einer schwarzen Dahlie.

Bild oben rechts: Dahlie, 2022 ©Simone Lucas @Galerie Martin Mertens

Simone Lucas vereint expressionistische und surrealistische, teilweise auch abstrakt erscheinende Elemente, die in ihrer eigenen Ausdrucksart zu einem erstaunlichen Neuen Realismus zusammenfinden.

Bild oben: Lights 17, 2022 ©Susanne Wurlitzer @Galerie LEUENROTH

Bild unten links: Papierfabrik, 2021 ©Heinrich Mauersberger @Galerie LEUENROTH

Bild unten: Moon cycle, period, full moon, 2021 ©Adelaide Damoah @Sakhile&Me

Adelaide Damoah verwendet ihren Körper als lebenden Pinsel, um auf verschiedene Oberflächen zu malen oder zu drucken.

Kunstagentin Katharina Mokross freut sich über den Erfolg der von ihr vertretenden Künstler*innen.

Bei Katharina Stadler koexistieren abstrakte Formen und figurative Elemente in meditativer Ordnung, sie führen Betrachter*innen in Räume der Ruhe.

Bild unten rechts: Forever and Ever, 2022 ©Katharina Stadler @Galerie Jarmuschek + Partner

Zur Inspiration eine Auswahl aus aktuellen Damen-Kollektionen (*Werbung):

Aus der Tiger and Venus Collection 22: Isabel Vollraths Stoffskulpturen werfen immer wieder die Frage auf: Ist das noch Haute Couture oder längst Kunst?

Bilder im Hintergrund oben rechts: Getting Dark, 2022 ©Paulis Liepa @Māksla XO Galerija

Bild oben: Mozart/Don Giovanni, 2005/6 ©Bernhard Heisig @Galerie Brusberg

Von wegen kleinkariert.

Bild oben rechts: Serenite, 2021 ©Alvar Beyer @Galerie Schindler

Bosco Sodis Werk wird zu einem Relikt, das symbolisch für die Auseinandersetzung des Künstlers mit dem Rohmaterial ist, aus dem das Gemälde entstanden ist. Er konzentriert sich auf die Erforschung des Materials, die kreative Geste und die spirituelle Verbindung zu seiner Arbeit.

Bild oben: Organic Red, 2022 ©Bosco Sodi @Hilgemann.Art

Bild unten links: ©Zhuang Hong Yi @Smudajeschek

Die aufwändig komponierten Wandobjekte von Zhuang Hong Yi aus Reispapier, Tusche und Acryllack erscheinen im Vorbeigehen in verschiedensten leuchtenden Farbverläufen und laden ein, mit dem eigenen Standort zu experimentieren.

Bild unten: ©Pat McDermott @Christopher Cutts Gallery

Pat McDermott negiert das Benennungssystem der Sprache und macht Malerei zum Erlebnis und zur Herausforderung für Betrachter*innen.

Er schafft ein Erlebnis, das vermittelt, wie es sich anfühlt, am Leben zu sein, ohne dieses Gefühl mit Worten zu beschreiben.

Bild oben rechts: Spa, 2016 ©Martin Praska @Brennecke Fine Art

Robert Matthes bearbeitet in seinen teilweise großformatigen Malereien sozial- und konsumkritische Zusammenhänge, indem er treffsicher politische, mediale und gesellschaftskritische Bildsymbole miteinander kombiniert, übereinander häuft und so das perfekte Chaos schafft.

Bild oben: Such a lovely place, 2022 ©Robert Matthes @Galerie Cyprian Brenner

Bild unten links [Ausschnitt]: Plant Memory Lane_18, 2022 ©Andrea Imwiehe @Galerie subjectobject

Die Vegetation, die Andrea Imwiehe in ihren Bildern nutzt, dient vor allem dazu, die erinnerte Atmosphäre, die Stimmung von damals wieder einzufangen und präsent zu halten.

Auch hier handelt es sich nicht um ein klares Bild, sondern nur um die erinnerte Stimmung, die auch mal stark von der Realität abweichen kann. Erinnerungen sind formbar, sie verändern sich, ihnen kann etwas weggenommen oder auch etwas hinzugefügt werden. 6

Line Lyhne kombiniert traditionelle, antike Mosaiktechnik mit der Nutzung von global massenproduzierten, modernen Dekorationskacheln. In den fragmentierten Oberflächen der Mosaike kann man sich in ihren Details verlieren, doch mit zunehmendem Abstand wird deutlich, dass die wie einzelne Pixel erscheinenden Fliesen Teil einer größeren Komposition sind.

Bild oben [Detail] + unten: Hearing the house slip, 2021 ©Line Lyhne @Academy POSITIONS

Bild unten: Porsche 911, 2021 ©Marion Eichmann @Galerie Tammen

2022 zeigte Marion Eichmann ihre detailverliebten Realitätskonstrukte sogar im Bundestag.

Bild unten links: Old Woman, 2021 ©Franziska Maderthaner @Brennecke Fine Art

In ihren Gemälden verwebt Franziska Maderthaner Gegenständliches und abstrakt Expressionistisches, daraus entwinden sich Körper, Stillleben und Objekte oder Szenen der Alltagskultur. Abstraktion und Gegenständlichkeit schließen sich in ihrer Kunst nicht aus, sondern ergänzen und stützen einander.

Bild unten: Famulia 3, 2022 ©Max Hechinger @Galerie Kleindienst

Max Hechinger bricht mit Vorhersehbarem, verschiebt jene Elemente, die sich als Stereotype eingebrannt haben und öffnet dadurch den Bildraum für eine neue Interpretation, die zwar von ihm angeleitet, aber dennoch nur von der Betrachter*in selbst identifiziert werden kann.7

Bild unten links: whirling, shifting, singing, spilling, 2022 ©Ana Janež @Academy POSITIONS

Die präzise Zeichnung des Nachwuchstalents Ana Janež wirkt auf den ersten Blick abstrakt, doch durch den Prozess, in dem sie digitale Aufzeichnungen in analoge und umgekehrt überträgt, entstehen Strukturen und Bilder, die auf etwas Unbestimmtes hindeuten.

2022 zeigte die POSITIONS erstmals auch NFT-Kunst, kuratiert von Galerist Andreas Greulich. Vorbildlich: Es wurde eine CO2 Kompensation nach dem BELOW2 Standard vorgenommen.

Prof. Gerhard Kurt Müller, Mitbegründer der Leipziger Schule, verwendete klare Formen, denen er Intensität und plastische Wirkung verlieh.

Bild oben: Kleines Billard, 2008 ©Gerhard Kurt Müller @Galerie Brusberg

So bot die Hauptstadtkunstmesse mit etablierten Klassikern, NFT-Kunst, talentierten Nachwuchstalenten, der Fashion Positions sowie zeitgenössischer Kunst vielfältige künstlerische Positionen. Da kann man sich schon auf die nächste Ausgabe (14.-17.9.23) freuen.

Weitere Impressionen von der POSITIONS 2022 im Video8 unten:

Fotos: ©MBS

Bild unten links: O.T., 2022 ©Laura Aberham @Galerie VON&VON

Maybe stories are just data with a soul.9

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  1. Aus dem Vorwort von Daniel Khafif (über Hermann Reimer), Katalog „protokolle#1“, Westphal Kunst und Projekte 2014
  2. Wikipedia-Autoren. (2008, 12. Juni): Boris Lurie. Zugriff 22.10.2022, von https://de.wikipedia.org/wiki/Boris_Lurie
  3. Galerie Thomas Fuchs: Jochen Hein (o. D.). Zugriff 31.10.22, von https://www.galeriefuchs.de/de/jochen-hein.html
  4. Jarmuschek + Partner: David Eager Maher (o. D.). Zugriff 24.10.2022, von https://www.jarmuschek.de/david-eager-mahertextedeu
  5. Galerie Preußners: A. Blumenstein (o. D.). Zugriff 24.10.22, von https://nannapreussners.de/kuenstlerinnen/detail/antje-blumenstein/
  6. Blunk, Steffen: Katalogtext zum AOK Kunstpreis. Zugriff 11. 9.22, von https://www.andrea-imwiehe.de/text.html
  7. Absolvent*innenarchiv | HGB Leipzig. (o. D.). https://www.hgb-leipzig.de/tendencies/de/works/hand-some-paintings
  8. Videonachweis: https://www.youtube.com/watch?v=vQehgGqsKPM, ©VernissageTV, Zugriff 11.10.22.
  9. Vgl. Brown, o. J.

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