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Kunst als Bau – ‘Sapphire’ von Daniel Libeskind

By MBS

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Daniel Libeskind

Sapphire – Städtebaulicher Mehrwert 
oder nur Prestige-Objekt?

Das erste Wohnhaus des Stararchitekten Daniel Libeskind (*1946) im nördlichen Teil von Berlin-Mitte wurde Ende 2016 fertiggestellt: Das Sapphire. Vis-à-vis vom Neubau des Bundesnachrichtendienstes dürfte die Aussicht, aber auch Einsicht somit besonders sein. Sein erstes Büro gründete er im Wendejahr 1989 in Berlin am Hackeschen Markt, u. a. um vor Ort den Bau des Jüdischen Museums zu betreuen. 2003 zog er nach New York, nachdem er den Wettbewerb für den Bebauungsplan des World Trade Center Areals gewonnen hatte.

Leider wurde Libeskinds ursprünglicher Entwurf aufgrund von Sicherheitsüberlegungen und Effizienzbedenken signifikant verändert; lediglich die unbebauten Grundrisse der zerstörten Twin Towers fungieren nun wie im seinem Masterplan vorgesehen als öffentliche Gedenkstätte. Seiner Architekturphilosophie nach sollen seine Bauten mit der Umgebung semantisch kommunizieren; so hat der Neubau des ‘One World Trade Centers’ die in Fuß gemessene Höhe von 1776, dem Jahr der Unabhängigkeitserklärung.

Interessant, aber nicht unbedingt selbsterklärend. In Deutschland betreut sein Büro seit Jahren erfolgreich die Restaurierung von Kulturbauten wie dem Alten Museum und aktuell der neuen Nationalgalerie.

Welche unsichtbaren Botschaften kommuniziert das ‘Sapphire’? Libeskind selbst warnt im Spiegel-Interview vor einer Verödung der Metropolen durch prestigeträchtige Großprojekte wie dem Stadtschloss in Berlin, aber verfolgt das Konzept vom Sapphire nicht eine ähnliche Intention?

Das eindrucksvolle Penthouse auf der Spitze des Gebäudes wird höchstbietend versteigert, wie korreliert das mit seiner Forderung im Spiegel für mehr sozialen Wohnungsbau?

Die Bezeichnung ‘Dekonstruktivist’ als Kämpfer gegen architektonische Langeweile passt wohl besser zu ihm als die des Verfechters von sozialem Wohnungsbau. Immerhin möchte er mit dem gleichen Bauentwickler ein weiteres, dann soziales Wohnungsbau-Projekt umsetzen. Abwarten. ©Fotos: MBS

Keine Frage: Das Ikonographische des Gebäudes wird zu einer städtebaulichen Aufwertung des Viertels beitragen; spannend ist vor allem die Gegenüberstellung zur klaren Baustruktur des BNDs der Architekten Kleihues + Kleihues.

Aber wie auch schon beim OWTC führen seine Interventionen auch zu einer erheblichen Mietpreissteigerung im jeweiligen Bezirk. Trotzdem hebt es sich erfreulich von der Schuhkarton-Architektur der sonstigen Neubauten in diesem Kiez ab.1

Zur Inspiration eine Auswahl der schönsten Designklassiker (*Anzeige):

Nicht nur die Form des Gebäudes an sich, die an einen Saphir erinnern soll, unterscheidet sich deutlich von sonst einförmigen Neubau-Fassaden nebenan. Auch kann die HT (Hydrophilic Tile)-veredelte Keramik der Fassade Schadstoffe und Abgase abbauen; an der viel befahrenen Chausseestrasse inzwischen ein echter Mehrwert.

Es bleibt zu hoffen, dass sich davon weitere Bauträger inspirieren lassen und statt reaktionärer Rekonstruktionen Mut zu neuer Formensprache beweisen. Weitere Hintergrundinfos im Video der Deutschen Welle2:

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  1. Bildnachweis: Daniel Libeskind 2006 vor dem Denver Art Museum ©Ishmael Orendain, CC BY 2.0
  2. Videonachweis: https://www.youtube.com/watch?v=krjsBlD_jtE, Zugriff 1.12.16.
  3. Vgl. Brown, o. J.

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