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Mischa Kuball im Jüdischen Museum

By MBS

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Jazz-Legende William Parker performte

in der Installation von Mischa Kuball

im Jüdischen Museum1

 

Im März 2018 improvisierte der aus New York stammende Jazz-Bassist William Parker in der Lichtinstallation res·o·nant des Konzeptkünstlers Mischa Kuball sein außerordentliches Oeuvre. Kuball, Professor für Medienkunst in Köln und Träger zahlreicher Auszeichnungen wie des Deutschen Lichtkunstpreises 2016 setzt mit der Installation res·o·nant seine Serie von Installationen im öffentlichen Raum unter dem Titel public preposition fort. 

Auch an diesem Ort inszeniert er in beeindruckender Weise seine künstlerische Auseinandersetzung mit abstrakten Formen und symbolischer Kommunikation. Seine Installationen vermitteln zwischen den Besuchern der historisch und sozial konnotierten Orte, der Architektur und der künstlerischen Intervention. ©Fotos: MBS

Am Eingang verweist eine trapezförmige Intervention als dezentral in Berlin wiederkehrendes Element auf Bezüge zwischen Architektur und Installation

Diese Installation ist Teil der Rückbesinnung auf die pure architektonische Ausdruckskraft des Daniel Libeskind Baus, dessen ursprüngliche Gestaltungselemente nun wieder unverstellt sichtbar sind.

Programmdirektorin Léontine Meijer-van Mensch befreite das Gebäude damit von Überlagerungen und konzipiert die Ausstellungen mehr im Einklang mit der nach wie vor imposanten Architektur.

Der Besucher kann mit Hilfe von Licht und Klang mit den Räumen in Resonanz gehen und die Architektur auch als Klangkörper erfahren. Die musikalische Improvisation von William Parker verstärkte diesen Eindruck beim Live-Event noch.

res·o·nant wird bis zum Sommer 2019 zu sehen sein. Ab April zeigt das Jüdische Museum auch noch eine Lichtinstallation von James Turrell, ein Besuch lohnt sich also in jedem Fall.

William Parker ist einer der wenigen Bogen spielenden Jazz-Bassisten, aber auch Improvisateur, Komponist, Autor und Pädagoge. Von der New Yorker Wochenzeitung The Village Voice als der beständig brillanteste Free-Jazz-Bassist aller Zeiten gefeiert veröffentlichte er mehr als 150 Alben und 6 Bücher und unterrichtete hunderte junger Musiker.

Parker spielt mit Bands wie dem Little Huey Creative Music Orchestra, Stans Hut, dem Cosmic Mountain Quartet mit Hamid Drake, Kidd Jordan und Cooper-Moore und trat mit Jazz-Größen wie Cecil Taylor, Don Cherry, Milford Graves und David S. Ware auf.

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Schon bei der Eröffnung des Museum 1999 faszinierten Kuball die fünf auf einer geraden Linie angeordneten Voids – alle horizontalen Ebenen verbindende Leerräume; Symbol auch für die Lücken, die die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus hinterließen. Vertrauensvoll gaben die Verantwortlichen des jüdischen Museums ihm eine Carte blanche für die künstlerische Konzeption, mehr Anerkennung geht fast nicht.

Rotierende Lichtrauten und Lichtkreise akzentuieren die 24 Meter hohen Voids; es erinnert auch an Flagscheinwerfer, die nichts mehr der schützenden Dunkelheit überlassen. Mischa Kuball erläutert im Video2 seine konzeptionelle Intention bei der Auseinandersetzung mit der Architektur und der jüdischen Geschichte:

Licht und Musik können räumliche Grenzen überwinden, Kuball meint dazu: Noch immer müssen jüdische Einrichtungen in Deutschland polizeilich geschützt werden. Die Musik ist ein Mittel, um diese Grenze zu umgehen. Die Beiträge werden nicht bearbeitet, sondern einfach abgespielt. Sie dringen ohne eine Vorkehrung in das Gebäude ein.

Ähnlich lautet auch William Parkers Credo, dass alles, was schön ist, auch politisch ist.

Die Arbeits- und Forschungsschwerpunkte von Léontine Meijer-van Mensch sind partizipative Strategien in der Museumsarbeit, eine Hinwendung zu Themen der Gegenwart sowie eine Stärkung der gesellschaftlichen Rolle von Museen. Mit ihr dürfen Besucher in Zukunft einen spannenden Diskurs jüdischen Lebens auch im Kontext moderner Kunst erwarten.

Es ist ein uraltes jüdisches Gebot, die Welt ein bisschen besser zu machen, und ich halte gerade jetzt in Deutschland die Aufgaben eines Jüdischen Museums für wichtiger denn je. Das ist mit diesem Ausstellungskonzept gelungen.

Weitere 120 internationale Musiker*innen sind dem Open Call des Jüdischen Museums im Februar 2018 gefolgt und haben für res·o·nant jeweils 60-sekündige Soundclips – sogenannte Skits – zusammengestellt. Die Skits ergänzen die Raumerfahrung; direkt unter den beiden Voids der Ausstellungsfläche ist die akustische Erfahrung am intensivsten. 

Der Titel der Ausstellung bezieht sich natürlich in erster Linie auf das Werk von Mischa Kuball, kann aber auch auf die Musik von Parker und die Skits übertragen werden; Betrachter und Zuhörer sind hier eingeladen, mit allen Sinnen in Resonanz zu gehen.

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Vielleicht hat gerade die kurze halbjährige Projektbearbeitungszeit den Effekt gehabt, dass die formale Umsetzung so reduziert und klar, damit aber auch so unverfälscht und eindrücklich für sich spricht. 

Stararchitekt Daniel Libeskind kommentierte Kuballs Werk erfreut: It’s working with the architecture.

3Auch William Parker verändert die Welt mit seinen Jazz-Improvisationen jedes Mal ein wenig zum Positiven, denn seine musikalische Vision transzendiert seine Umgebung.

Im Video4 performt er 2015 live in den Retromedia Sound Studios in New Jersey; eine kleine Entschädigung für diejenigen, die den Live-Event verpasst haben:

  1. Beitragsbild: ©Ladislav Zajac/Archiv Mischa Kuball, Düsseldorf/VG Bild-Kunst, Bonn 2017
  2. Videonachweis: https://www.youtube.com/watch?v=rIZfX7qm0P8, Zugriff 1.04.18.
  3. Foto oben: ©Ladislav Zajac/Archiv Mischa Kuball, Düsseldorf/VG Bild-Kunst, Bonn 2017
  4. Videonachweis: https://www.youtube.com/watch?v=dYpJwOuUozA, Zugriff 1.04.18.

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